Donnerstag, 14. Juli 2016

Michael Oehme: Medien beeinflussen Momentum-Effekte bei Aktien

Heute wollen wir uns mal einem ganz anderen Thema zuwenden, auf das wir aufgrund des Beitrags „Medien und Momentum“ in der aktuellen Ausgabe des lesenswerten „Smart Investor“ gestolpert sind. Es geht um die Frage, inwiefern Medienberichte – so auch online – zu Überreaktionen bei Aktienkursen führen kann. Ausgangsbasis ist die Studie „Media Makes Momentum“, bei der zwischen 1989 und 2010 stolze 2,2 Millionen Artikel aus 45 US-Zeitungen analysiert wurden, ob sie zu Veränderungen bei ausgewählten Aktienkursen geführt haben.

Der Momentum-Effekt
Dabei muss man wissen, dass sich Aktien – zumindest über einen bestimmten Zeitraum – anders verhalten als man zunächst annimmt. Gefühlt haben wir den Eindruck, dass eine Aktie, die beispielweise sehr stark steigt, doch kurzfristig wieder fallen müsste. Die Kapitalmarktforschung hat dies jedoch widerlegt. Unter Momentum-Effekt versteht man daher die Feststellung, dass Aktien, die steigen, tendenziell weiter steigen (umgekehrt Aktien, die fallen, tendenziell weiter fallen). Diese prozyklische Entwicklung ist von bestimmten Faktoren abhängig, unterliegt aber in der Regel immer einem gewissen Zeithorizont. Die Autoren der Studie benennen drei bis zwölf Monate.


Einfluss der Medien
Dabei ist erkennbar, dass Aktientitel, über die Medien besonders intensiv schreiben, einen stärkeren Momentum-Effekt aufweisen als solche, über die nicht berichtet wird. Dieser Effekt geht positiv wie negativ. Eine weitere Erkenntnis ist die Tatsache, dass der Wortlaut der Medienberichterstattung direkt auf die Momentum-Renditen wirkt – auch hier wieder im positiven wie im negativen Sinne. Eine wichtige Schlussfolgerung der Autoren ist dabei, dass häufige Berichterstattungen nicht zwangsläufig zu schnelleren Informationsübertragungen und damit einer besseren Entscheidungsbasis führen müssen, „stattdessen scheint die hohe Medienpräsenz die Verzerrungen in der Informationsverarbeitung zu verstärken“, schreibt Marko Gränitz, der Autor des Beitrags „Medien und Momentum“. In der Folge würden damit Investoren den Medienberichten folgen – sei es im Hinblick auf den Kauf oder aber den Verkauf von Aktien, ohne dies genauer hinterfragt zu haben.


Die Rolle der Medien

In der Boomphase des Neuen Marktes fanden sich nur weniger Kritiker in der Presse, die die Werthaltigkeit der dargestellten Unternehmen in Frage stellten. Schlimmer noch, einzelne sogenannte Analysten profitierten direkt oder indirekt von ihren Empfehlungen, die zum Kauf oder Verkauf von Aktien führten. Hier sind die Verlage heute sehr viel vorsichtiger geworden, auch, um Rufschädigung zu vermeiden. Interessant an diesem Beitrag scheint die von uns mitgetragene Einschätzung, dass Medien generell Einfluss auf Investitionsentscheidungen haben und dieser Effekt nicht unbedingt auf der rationellen Informationsweitergabe beruht.

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