Donnerstag, 19. März 2015

Michael Oehme / Pressearbeit, Friedberg: Der Teilzeittrend

Warum die 30-Stunden-Woche Konjunktur hat

Mit dem Aufschwung des deutschen Arbeitsmarktes geht offensichtlich ein Aufschwung der Teilzeitarbeit einher: So hat sich zwischen 2004 und 2013 die Zahl der Erwerbstätigen mit Wochenarbeitszeiten von unter 35 Stunden um 2,4 Millionen auf mehr als 10,7 Millionen erhöht. Dementsprechend sind drei Viertel aller in diesem Zeitraum aufgebauten Arbeitsplätze Teilzeitstellen. Besonders verbreitet ist die längere Teilzeitarbeit, der vor allem Frauen nachgehen. „Der Teilzeittrend erfreut sich bei Eltern mit Kleinkindern natürlich großer Beliebtheit“, so Kommunikationsexperte Michael Oehme. „Leider finden derartige Zeitmodelle noch keinen vollständigen Zuspruch seitens der Politik.“ Interessant ist, dass die Familiengründung das Erwerbsverhalten von Männern kaum beeinflusst. So entscheidet sich fast die Hälfte der Paare mit Kindern für das Zuverdienermodell, bei dem der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet. Lediglich bei einem Viertel der Paare haben demnach beide Partner in etwa die gleiche Arbeitszeit.
Nichtsdestotrotz hat der Aufschwung der Teilzeitbeschäftigung auch seine Schattenseiten: So ist auch die  Zahl der Erwerbstätigen mit Wochenarbeitszeiten von weniger als 15 Stunden enorm gestiegen. „Die Minijobs bringen im Gesamtbild einige Probleme mit sich“, so Michael Oehme weiter. „Das große Fachkräftepotential wird durch Minijobs eingeschränkt.“ Brigitte Pothmer (Die Grünen) geht sogar noch weiter und bezeichnet die 450-Euro-Jobs als „eine Niedriglohnfalle, die die lebenslange ökonomische Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern oder von staatlichen Transferleistungen fördert“. Sie kritisiert unter anderem, dass im Jahr 2013 fast 3,2 Millionen Teilzeitkräfte weniger als 15 Stunden je Woche arbeiteten. Michael Oehme bestätigt, dass die „kleine Teilzeit“ in Deutschland nach wie vor stärker verbreitet ist, als in anderen EU-Ländern. Während hier 36 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen unter 15 Stunden arbeiten, sind es im EU-Durchschnitt nur 28 Prozent. Einer vom Ministerium zitierten Studie zufolge geben 55 Prozent der Minijobber an, dass sie gerne mehr arbeiten würden – im Durchschnitt sechs Stunden mehr je Woche. Parallel dazu wünschen sich unter den anderen Teilzeitkräften 40 Prozent eine zumindest etwas längere Arbeitszeit.
Schließlich hat auch das Ministerium ein Interesse daran, Teilzeitkräften einen Rechtsanspruch gegenüber ihrem Betrieb auf eine Rückkehr in Vollzeit zu verschaffen.


Kommentare:

  1. Das ist doch mal eine gute Entwicklung. Die Familien können damit entspannter umgehen. Gesellschaftlich ist es nicht mehr geächtet, wenn auch der Mann sich um die Kinder kümmert.

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  2. Ich frage mich, wie jemand von einem Job mit weniger als 15 Stunden leben soll? Vermutlich nutzen die Firmen hier nur "Spitzen" in der Auslastung aus anstelle neue Leute ganz einzustellen. Dadurch wird der Druck auf alle erhöht.

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  3. Interessant, was Die Linke dazu schreiben: http://www.linksfraktion.de/reden/frauen-wollen-nicht-luft-liebe-arbeiten/

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  4. Ich bin jedenfalls froh, dass die Unternehmen ihre Vorgehensweise was die Arbeitsplätze anbelangt, geöffnet haben. Mein Mann und ich arbeiten bei BMW in München. Als unsere Kinder klein waren, hatten wir sogar gemeinsam eine Art Zeitarbeitskonto, das sehr flexibel war und wo wir gegenseitig Stunden ausgleichen konnten. Hat super funktioniert.

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