Dienstag, 25. Juni 2013

Michael Oehme: Die spektakuläre Flucht eines Whistleblowers

Nach tagelangem Rätselraten hat Russlands Präsident Wladimir Putin den Aufenthalt des US-Geheimdienstspezialisten Edward Snowden in Moskau bestätigt. Der sogenannte Whistleblower, der am Wochenende aus Hongkong nach Moskau geflohen war, hatte in den vergangenen Wochen umfangreiche Datensammlungen amerikanischer und britischer Dienste öffentlich gemacht. Dies sorgte für Spannungen zwischen den beteiligten Großmächten USA, Russland und China.

Jetzt ist er ausgerechnet in Russland: "Herr Snowden ist tatsächlich in Moskau. Für uns war das eine echte Überraschung", sagte Putin am Dienstag bei einem Besuch in Finnland. Der von den USA weltweit gesuchte Informant halte sich im Transitbereich des internationalen Flughafens Scheremetjewo auf. Es blieb unklar, wohin Snowden weiterreisen will. Putin betonte, ihm drohe keine Auslieferung an die USA, da kein entsprechendes Auslieferungsabkommen existiert.  Der Präsident wies zugleich Anschuldigungen zurück, Russland verhelfe einem Verräter von Staatsgeheimnissen zur Flucht.

In Moskau war zuvor die Information gestreut worden, Snowden wolle über Kuba nach Ecuador reisen, wo er Asyl beantragt hat. Allerdings sei er auch am Dienstag nicht an Bord des Flugzeugs nach Havanna gewesen, zitierte die Staatsagentur RIA Nowosti einen Mitarbeiter des Flughafens. "Er kam als Transitpassagier an, und dafür braucht er kein Visum oder andere Dokumente", betonte Putin in Helsinki. Die russische Staatsgrenze habe der 30-Jährige nicht überschritten. Er halte sich weiter in dieser freien Zone auf.

Unterdessen gab der Whistleblower neue Details in dem Spionage-Thriller preis. Er habe sich nur in den US-Geheimdienst NSA eingeschlichen, um dessen Schnüffeleien im Internet aufzudecken, sagte Snowden der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" zufolge. Allein aus diesem Grund habe er den Job als IT-Techniker bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton angenommen, die im NSA-Auftrag an der Internet-Überwachung beteiligt war. Die USA suchen Snowden wegen Geheimnisverrats. Seine spektakuläre Flucht sorgt für erheblichen politischen Wirbel. Das Weiße Haus forderte Moskau zur Auslieferung des Flüchtigen auf.
Nach Angaben der "South China Morning Post", die nach und nach Teile ihres Interviews vom 12. Juni veröffentlicht, plant der 30-Jährige weitere Enthüllungen über Schnüffeleien der USA. Vorher wolle er das Material aber noch weiter sichten.

By VL/ Michael Oehme

Keine Kommentare:

Kommentar posten