Donnerstag, 9. Februar 2017

Emotionen statt Fakten

Im vorangegangenen Blogbeitrag hatten wir uns mit der Frage auseinandergesetzt, inwieweit Journalisten in der Verantwortung stehen, Inhalte von Foren und Plattformen auf deren Richtigkeit und Glaubwürdigkeit zu hinterfragen. Heute möchten wir die Frage aufgreifen, ob Journalisten nicht längst vom Pfad der rein sachlich orientierten Informationsweitergabe zum Meinungsmacher mutiert sind?  

Postfaktisch
Das Wort des Jahres „postfaktisch“ macht deutlich, dass wir inzwischen den hinter den Informationen stehenden Meinungen oder Empfindungen mehr Aufmerksamkeit schenken, als den reinen Fakten. Vor diesem Hintergrund scheint es nachvollziehbar, dass auch die Journalie diesen Trend vollzieht, um die Leserschaft entsprechend zu erreichen. Wie drückt sich das aus und vor allem: ist das sinnvoll? 

Beitrag allein reicht nicht
Viele Medien veröffentlichen nicht nur Beiträge, sie lassen auch eine Kommentarfunktion zu. Als ob dies nicht genug sei, die Meinung der Leserschaft einzufangen, richten einige Medien für ihre Redakteure auch noch Blogs zu Themen ein, in denen besagte Redakteure fleißig mitarbeiten. Folgendes Bild ergibt sich: Man veröffentliche einen Beitrag, in dem man ganz klar polarisiert, wer der Böse ist. Zitate des Bösen werden dabei nur insoweit eingebunden, als sie die eigene Meinung (die des Journalisten) bestärken. Oft werden auch Fakten nicht veröffentlicht, die das klar kommunizierte Bild in Frage stellen könnten. Wenn Sie jetzt meinen: „das gibt es doch nicht!“, können wir Ihnen ganz klar sagen: „doch, es ist sogar Geschäftsstrategie einzelner Medien, mit denen die Auflagen hochgetrieben werden“. Und es geht noch weiter. 

Der Blog, mein liebstes Kind
Als wäre der Einseitigkeit nicht schon genüge getan, schalten sich besagte Redakteure sogar in die Blogs ein. Teilweise mit Argumenten, nicht selten aber auch mit rüden Kommentaren. Wie das aussieht? Jemand, der der Meinung ist, der Beitrag sei zu einseitig, schreibt: „Ich habe mit der Firma XY ganz andere Erfahrungen gemacht und bin mit dem Produkt Z sehr zufrieden.“ Antwort des Journalisten: „Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass sogenannte Pseudokunden, meist aus dem eigenen Haus, vorgeschickt werden, unsere Fakten in Frage zu stellen.“ Bums, das hat gesessen. Und was hat der Journalist gemacht? Genau. er hat deutlich eine einseitige Stellung bezogen und versucht, diese auch noch zu verteidigen. Aus unserer Sicht ein klarer Verstoß gegen den Pressekodex.

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