Dienstag, 16. August 2016

Medienumbruch und Öffentlichkeitsarbeit

Wer getrost Bekanntes lesen möchte, sollte sich das Büchlein (61 Seiten) „Medienumbruch und Öffentlichkeitsarbeit“ zulegen. Es setzt sich unter anderem mit der Frage auseinander, inwiefern der digitale Wandel die öffentliche Diskussion in der Mediendemokratie verändert. Unsere leicht zynische Einschätzung ...

Fließende Grenzen
Zunächst erfahren wir, dass die Grenzen zwischen Werbung, PR, und Propaganda fließend sind. Die hat nach Meinung der Autoren natürlich damit zu tun, Dies hat unter anderem damit zu tun, dass die Selbständigkeit mit der das Internet inzwischen zur Massenverbreitung genutzt werden kann, ein Selbstgänger und wenig steuerbar ist. Wenn der IS Videos von Enthauptungen durch die Netze der Welt verbreiten und damit seine bizarren „Messages“ eines Gottesstaates verbreiten kann, wird diese Form der Propaganda nur noch dadurch getoppt, indem sie vermutlich wohlmeinende Journalisten aufgreifen und ihrerseits verbreiten. Im perversen Sinne ausgedrückt, betreibt der IS somit eine sehr effektive Öffentlichkeitsarbeit. Wir halten an dieser Stelle fest: Ja, die Grenzen zwischen Werbung, PR und Propaganda sind im Zeitalter des Internet fließend und insbesondere schwer zu durchschauen. Aber neu ist das nicht.

Überlebenskampf des Qualitätsjournalismus
In ihrem Artikel (Beitrag im Buch) verleiht „Cicero“-Redakteurin Petra Sorge ihrem Unmut Ausdruck, dass es keine Diskussion über Qualitätsjournalismus geben sollte, sondern eine solche über geeignete Bezahlsysteme. Endlich mal jemand, der das Problem auf den Punkt bringt. In Anbetracht zurückgehender Werbeeinnahmen sollte die Frage erlaubt sein, wie die Beteiligung gesellschaftlicher Gruppen an der Informations- und Wissenschaftsgesellschaft aussehen könnte, will man den Qualitätsjournalismus retten. Schafft man dies nämlich nicht, wird die deutsche Presse über kurz oder lang der italienischen Bunga-Bunga-Presse ähneln, deren intellektueller Nährwert sich meistenteils nur noch durch ein Elektronenmikroskop messen lässt.

„Like-Journalismus“

Ist der „Like-Journalismus“ die Alternative? Also die Abkehr vom neutral informierenden Journalismus zum moralisierenden Belehrungsjournalismus, der versucht, Meinung zu machen. In seinen nur dreieinhalb Seiten umfassenden Beitrag kritisiert der ehemalige PR-Berater, Kolumnist und u.a. Wirtschaftswoche-Chefredakteur genau diese Entwicklung. Dies verwundert natürlich ein wenig, scheinen doch die Wirtschaftswoche Online-Seiten (schon zu seiner Chefredaktionszeit) genau dieses System mit Bravour ausgelebt zu haben (und bis heute auszuleben). Wir fragen und an der Stelle, ob er mit seinen eigenen Internetseiten einen kleinen Eindruck dessen vermitteln will, was in Zukunft im Zusammenhang mit Journalismus ebenfalls verstanden werden soll. Denn in Tichys privatem Job (http://tichys-schaufenster.de) bietet er - „nicht nur für Männer“ – seine persönlichen Empfehlungen an. Vom Taschenkamm aus Horn – bis zu Haarwuchsaktivierungstropfen. Das ist kein Witz, sollten Sie das annehmen.

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