Montag, 27. August 2012

Financial Times: Geschäftsklima trübt sich stärker ein



Die Stimmung verschlechtert sich zunehmend: Das wichtige Barometer der deutschen Wirtschaft sackt den vierten Monat in Folge ab. Ein sicherer Beleg, dass sich Deutschland der Rezession in Europa nicht entziehen kann. von Mathias Ohanian
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August den vierten Monat in Folge eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 102,3 Punkte von 103,2 Zählern im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mit. Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 102,6 Punkte gerechnet.
"Die deutsche Konjunktur schwächt sich weiter ab", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Seit Mai sinkt damit das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer angesichts der weltweit trüberen Konjunkturaussichten und der Schuldenkrise in Europa.
Zwar bewerteten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage nur wenig schlechter als noch im Juli, sie schraubten aber ihre Erwartungen für die kommenden Monate deutlich herunter. Auch die Erwartungen der lange erfolgsverwöhnten Industrie schwächten sich im August deutlich ab. "Erstmals seit fast drei Jahren sind auch die Erwartungen an das Exportgeschäft überwiegend leicht negativ."
Der vierte Rückgang des Ifo-Geschäftsklimas in Folge ist ein sicherer Beleg dafür, dass sich die deutsche Wirtschaft der Rezession in vielen Ländern Europas in der zweiten Jahreshälfte nicht entziehen kann. Der Indikator sank im August auf den tiefsten Stand seit Mitte 2008 - seinerzeit schrumpfte die deutsche Wirtschaftsleistung bereits. Die meisten Fachleute erwarten das bereits fürs aktuelle dritte Quartal. Die Gefahr ist groß, dass das Bruttoinlandsprodukt in der zweiten Hälfte 2012 allenfalls leicht zulegen wird.
Mit einem Anteil der Ausfuhren am Bruttoinlandsprodukt von inzwischen rund 52 Prozent ist die deutsche Wirtschaft extrem abhängig von ihren Exporten. Viele wichtige Handelspartner verzeichnen wegen der Euro-Krise und den scharfen Sparprogrammen inzwischen jedoch kaum mehr wirtschaftliches Wachstum. So glauben viele Experten, dass die Euro-Zone insgesamt voraussichtlich bis Jahresende in der Rezession verharren dürfte. Dorthin gehen knapp 40 Prozent der deutschen Exporte.
Quelle. Financial Times 2012_8_27

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